Vierter Akt Vierte Szene


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Personen
  • Gräfin Capulet
  • Capulet
  • Wächterin
  • Diener
Inhalt
Die Vorbereitung für die Hochzeit sind nun auf einem Höhepunkt. Die Gräfin und die Wächterin sind mit Hochdruck am Vorbereiten als der Graf Capulet hinzu kommt und sie ermahnt es nicht zu übertreiben. Die Gräfin behauptet, dass die das schon abkann, sie hätte ja auch ihr Kind großgezogen, welches Nachts hoch muss.
Der Bräutigam ist wohl schon da und nun schickt man aus um die Braut zu holen.

Themen

  • Vorbereitungen für die Hochzeit

Interpretation

Diese Szene ist sehr kurz und spielt nur in der Familie Capulet. Sie zeigt was sich abspielt während Julia oben in ihrem Bett liegt und den Trunk getrunken hat. Bei der Familie läuft die Vorbereitung und alle Beiteidigten gehen davon aus, dass die Dinge ihren ordnungsgemäßen Verlauf nehmen werden. Sie sind zwar sehr erregt, jedoch liegt das ja in der Natur des Ereignis. 

Diese Szene wird ebenfalls genutzt um den Spannungsbogen zu halten. Während der Zuschauer in der vorherigen Szene Julias Sicht betrachten konnte, wird jetzt ein Licht auf die andere Seite geworfen und die Sicht der Familie kommt zum Vorschein. Dies ermöglicht dem Zuschauer das Gefühl von allem Bescheid zu wissen und in alle Realitäten Einsicht zu haben. Denn in dem Stück, speziell in diesem Akt, gibt es ja zwei Realitäten: Die der Julia und der Eingeweihten, und die der anderen Menschen.

Zudem werden die Zuschauer noch ein wenig auf die Folter gespannt. Dachten sie schon in der vorherigen Szene, dass es gleich zum Auffinden der scheintoten Protagonistin kommen wird, müssen sie sich durch diese Szene noch etwas länger gedulden und die Spannung wird aufrecht erhalten. 

Das die Vorbereitungen so auf Hochdruck laufen und das eine gewisse Hektik vorherrscht hat auch die Funktion die Zuschauer gespannt zu machen. Gleich, gleich kommt der Höhepunkt, das transportiert die Stimmung dieser Szene. Und so warten die Zuschauer gebannt auf das was kommen wird. 

Kommentierter Originaltext
VIERTE SZENE
Ein Saal in Capulets Hause
Gräfin Capulet und die Wärterin.
GRÄFIN CAPULET
, nehmt die Schlüssel, holt noch mehr Gewürz!
WÄRTERIN
Sie wollen Quitten und Orangen haben
Für ihre Bäckerei.
Capulet kommt.CAPULET
Auf, rührt euch, frisch! Schon kräht der zweite Hahn,
Die Morgenglocke läutet; 's ist drei Uhr.
Sieh nach dem Backwerk, Frau Angelika,
Spar nichts daran!
WÄRTERIN
                    Topfgucker! Geht nur, geht!
Macht Euch zu Bett! Ja, Ihr seid morgen krank,
Wenn Ihr die ganze Nacht nicht schlaf!
CAPULET
Kein bißchen! Was! Ich hab um Kleiners wohl
Die Nächte durchgewacht und war nie krank.
GRÄFIN CAPULET
Ja, ja! Ihr wart ein feiner Vogelsteller
Zu Eurer Zeit! Nun aber will ich Euch
Vor solchem Wachen schon bewachen.
Gräfin und Wärterin ab.CAPULET
O Ehestand, o Wehestand! Nun, Kerle!
Diener mit Bratspießen, Scheiten und Körben treten auf. Was bringt ihr da!
[Diener mit Bratspießen, Scheiten und Körben gehn über die Bühne.]ERSTER DIENER
's ist für den Koch, Herr; was, das weiß ich nicht.
CAPULET
Macht zu, macht zu!
Erster Diener ab.                     Hol trockne Klötze, Bursch!
Ruf Petern, denn der weiß es, wo sie sind.
ZWEITER DIENER
Braucht Ihr 'nen Klotz, Herr, bin ich selber da
Und hab nicht nötig, Petern anzugehn.
Ab.CAPULET
Blitz! Gut gesagt! Ein lustger Teufel! ha,
Du sollst das Haupt der Klötze sein. - Wahrhaftig,
's ist Tag; der Graf wird mit Musik gleich kommen.
Das woll er, sagt' er ja; ich hör ihn schon.
Musik hinter der Szene.Frau! Wärterin! He, sag ich, Wärterin!
Die Wärterin kommt.Weckt Julien auf! Geht, putzt sie mir heraus!
Ich geh indes und plaudre mit dem Grafen.
Eilt Euch, macht fort! Der Bräutgam ist schon da.
Fort, sag ich Euch.
Beide ab.

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Vierter Akt fünfte Szene

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Personen
  • Peter
  • erster Musikant
  • zweiter Musikant
  • dritter Musikant
  • Gräfin Capulet
  • Lorenzo
  • Paris
  • Capulet
  • Wärterin
Inhalt
Julia wird und die Eltern trauern sehr stark. Es kommt Paris mit Lorenzo hinzu, dieser veranlasst die Eltern alles für die anstehende Beerdigung vorzubereiten. Sie sprechen noch über den Himmel.
Schließlich gehen alle ab und Peter bleibt mit den Musikanten zurück. Es kommt zu einem Streit zwischen ihm und den Musikanten.
Themen
  • Trauer
  • Scheintod
  • Totenrituale
  • Streit

Funktion der Szene / Interpretation der ersten Szene im ersten Akt von Romeo und Juli

Die Szene, welche den vierten Akt beendet läutet auch gleich die nächste Stufe der Katastrophe ein. Die Hochzeitspläne sind durchkreuzt und Julias Plan vollzieht sich nun so wie angedacht. Die Hochzeit kann nicht mehr stattfinden. Plötzlich steht das auch gar nicht mehr im Vordergrund für die Eltern, sie sind primär betrübt darüber ihr Kind verloren zu haben. Sie sind außer sich vor Trauer.

Hieran sieht man, dass es sich bei den Capulets keinesfalls um lieblose Eltern handelt. Sie sind viel mehr Menschen, die sich im Sinne ihrer Zeit nach den damals geltenden Regeln verhalten und darum auch die Hochzeit Julias mit Paris für den absolut besten Weg gehalten haben. Sie haben sich nicht über Julia hinweg setzten wollen, sondern es war damals üblich dass die Männer für die Frauen entschieden und die Eltern für ihre Kinder, besonders für die Töchter.

Als Lorenzo auftritt befindet er sich wieder in der Rolle des ehrenwerten Kirchenmannes. Er ermahnt alle ihre Trauer im Zaum zu halten und spricht in Biblischen Bildern. Der Himmel ist in dieser Szene sehr präsent.
Der Tod war bis zu dieser Stelle ein permanenter Begleiter im gesamten Stück, sei es weil Menschen starben und mordeten oder weil sie gedanklich mit Suizid spielen.

Sprachlich verändert sich die Ausdrucksweise der maßgeblich. Um das Entsetzen zu unterstreichen werden nun mehr viele Interjektionen verwendet O weh... etc.
Dabei werden auch Sätze verkürzt = Elipsen. Hiermit macht der Autor deutlich wie sehr die Eltern unter dem (Schein)tod ihrer Tochter Julia leiden. 


Kommentierter Originaltext

FÜNFTE SZENE
Juliens Kammer
Julia auf dem Bett. Die Wärterin kommt.
WÄRTERIN
Fräulein! - Nun, Fräulein! Julia! - Nun, das schläft!
He, Lamm! He, Fräulein! Pfui, Langschläferin!
Mein Schätzchen, sag ich! Süßes Herz! Mein Bräutchen!
Was, nicht ein Laut? Ihr nehmt Eur Teil voraus,
Schlaft für 'ne Woche; denn ich steh dafür,
Auf nächste Nacht hat seine Ruh Graf Paris
Daran gesetzt, daß wenig Ruh Ihr habt!
Behüt der Herr sie! Wie gesund sie schläft!
Ich muß sie aber wecken. - Fräulein! Fräulein!
Laßt Euch den Grafen nur im Bett ertappen,
Der wird Euch schon ermuntern; meint Ihr nicht? -
Was, schon in vollen Kleidern? Und so wieder
Sich hingelegt? Ich muß durchaus Euch wecken.
He, Fräulein! Fräulein! Fräulein! -
Daß Gott, daß Gott! Zu Hülfe! Sie ist tot!
Ach, liebe Zeit! Daß ich je ward geboren!
Bringt Weingeist, he! He, gnädger Herr! Frau Gräfin!

Grafin Capulet kommt.

GRÄFIN CAPULET
Was ist das für ein Lärm?
WÄRTERIN
                           O Unglückstag!
GRÄFIN CAPULET
Was gibts?
WÄRTERIN
            Seht, seht nur! O betrübter Tag!
GRÄFIN CAPULET
O weh, o weh! Mein Kind, mein einzig Leben!
Erwach, leb auf, ich sterbe sonst mit dir!
O Hülfe, Hülfe! Ruft doch Hülfe!

Capulet kommt.

CAPULET
Schämt euch! Bringt Julien her! Der Graf ist da.
WÄRTERIN
Ach sie ist tot, verblichen, tot! O wehe!
GRÄFIN CAPULET
O wehe, wehe, sie ist tot, tot, tot!
CAPULET
Laßt mich sie sehn! - Gott helf uns! Sie ist kalt,
Ihr Blut steht still, die Glieder sind ganz starr,
Von diesen Lippen schied das Leben längst,
Der Tod liegt auf ihr, wie ein Maienfrost
Auf des Gefildes schönster Blume liegt.
Fluch dieser Stund! Ich armer alter Mann!
WÄRTERIN
O Unglückstag!
GRÄFIN CAPULET
                O jammervolle Stunde!
CAPULET
Der Tod, der mir sie nahm, mir Klagen auszupressen,
Er bindet meine Zung und macht sie stumm.

Bruder Lorenzo, Graf Paris und Musikanten treten auf.
Julia wird vermeintlich tot aufgefunden und alle klagen ihr Lied. Sie sind sehr betrübt über den Verlust. 
LORENZO
Kommt! Ist die Braut bereit zur Kirch zu gehn?
CAPULET
Bereit zu gehn, um nie zurückzukehren. -
O Sohn, die Nacht vor deiner Hochzeit buhlte
Der Tod mit deiner Braut. Sieh, wie sie liegt,
Die Blume, die in seinem Arm verblühte.
Mein Eidam ist der Tod, der Tod mein Erbe;
Er freite meine Tochter. Ich will sterben,
Ihm alles lassen; wer das Leben läßt,
Der läßt dem Tode alles.
PARIS
Hab ich nach dieses Morgens Licht geschmachtet,
Und bietet es mir solchen Anblick dar?
GRÄFIN CAPULET
Unseliger, verhaßter, schwarzer Tag!
Der Stunden jammervollste, so die Zeit
Seit ihrer langen Pilgerschaft gesehn.
Nur eins, ein einzig armes, liebes Kind,
Ein Wesen nur, mich dran zu freun, zu laben -
Und grausam riß es nun der Tod mir weg!
WÄRTERIN
O Weh! O Jammer - Jammer - Jammertag!
Höchst unglückselger Tag, betrübter Tag!
Wie ich noch nimmer, nimmer einen sah,
O Tag, o Tag, o Tag, verhaßter Tag!
Solch schwarzen Tag wie diesen gab es nie.
O Jammertag, o Jammertag!
PARIS
Berückt, geschieden, schwer gekränkt, erschlagen!
Fluchwürdger, arger Tod, durch dich berückt!
Durch dich so grausam, grausam hingestürzt!
O Lieb, o Leben! Nein, nur Lieb im Tode!
CAPULET
Verhöhnt, bedrängt, gehaßt, zermalmt, getötet!
Trostlose Zeit, deswegen kamst du jetzt,
Zu morden, morden unser Freudenfest! -
O Kind, Kind! Meine Seel und nicht mein Kind!
Tot bist du? Wehe mir, mein Kind ist tot,
Und mit dem Kinde starben meine Freuden.

Paris und Lorenzo kommen hinzu, Paris erfährt von dem Tod seiner Braut 
LORENZO
Still! Hegt doch Scham! Solch Stürmen stillet nicht
Des Leidens Sturm. Ihr teiltet mit dem Himmel
Dies schöne Mädchen, nun hat er sie ganz,
Und um so besser ist es für das Mädchen.
Ihr konntet euer Teil nicht v or dem Tod
Bewahren; seins bewahrt im ewgen Leben
Der Himmel. Sie erhöhn war euer Ziel,
Eur Himmel wars, wenn sie erhoben würde;
Und weint ihr nun, erhoben sie zu sehn
Hoch über Wolken, wie der Himmel hoch?
O wie verkehrt doch euer Lieben ist!
Verzweifelt ihr, weil ihr sie glücklich wißt?
Die lang vermählt lebt, ist nicht wohl vermählt;
Wohl ist vermählt, die früh der Himmel wählt.
Hemmt eure Tränen, streuet Rosmarin
Auf diese schöne Leich, und nach der Sitte
Tragt sie zur Kirch in ihrem besten Staat.
Denn heischt gleich die Natur ein schmerzlich Sehnen,
So lacht doch die Vernunft bei ihren Tränen.
CAPULET
Was wir nur irgend festlich angestellt,
Kehrt sich von seinem Dienst zu schwarzer Trauer.
Das Spiel der Saiten wird zum Grabgeläut,
Die Hochzeitlust zum ernsten Leichenmahl,
Aus Feierliedern werden Totenmessen,
Der Brautkranz dient zum Schmucke für die Bahre
Und alles wandelt sich ins Gegenteil.
LORENZO
Verlaßt sie, Herr; geht mit ihm, gnädge Frau;
Auch Ihr, Graf Paris: macht euch alle fertig,
Der schönen Leiche hin zur Gruft zu folgen.
Der Himmel zürnt mit euch um sündge Tat;
Reizt ihn nicht mehr, gehorcht dem hohen Rat.

Capulet, Gräfin Capulet, Paris und Lorenzo ab.

Lorenzo tröstet die trauernden Eltern mit seinen Ausführungen über den Himmel und Capulet klagt, das aus dem geplanten Freudenfest nun eine Totenmesse wird. Lorenzo bereitet nun alles vor, damit sie in die Gruft kann, so wie sie das besprochen und beschlossen hatten. 
ERSTER MUSIKANT
Mein Seel, wir können unsre Pfeifen auch nur einstecken und uns packen.
WÄRTERIN
Ihr guten Leute, ja, steckt ein, steckt ein!
Die Sachen hier sehn gar erbärmlich aus.
Ab.[ZWEITER] ERSTER MUSIKANT
[zeigt auf sein Instrument.] Ja, meiner Treu, die Sachen hier könnten wohl besser aussehen, aber sie klingen doch gut.
[Im Original bezieht der Musiker den Ausspruch der Amme aufgrund der Doppeldeutigkeit des Wortes »case« (Sache, Kasten) auf den Kasten für sein Instrument: »Ja, bei meiner Treu, den Kasten kann man doch ausbessern.«]PETER
O Musikanten, Musikanten, spielt:
»Frisch auf, mein Herz! Frisch auf, mein Herz, und singe!«
O spielt, wenn euch mein Leben lieb ist, spielt:
»Frisch auf, mein Herz!«
ERSTER MUSIKANT
Warum: »Frisch auf, mein Herz?«
PETER
O Musikanten, weil mein Herz selber spielt: »Mein Herz voll Angst und Nöten.« O spielt mir eine lustige Litanei, um mich aufzurichten.
[ZWEITER] ERSTER MUSIKANT
Nichts da von Litanei! Es ist jetzt nicht Spielens Zeit.
PETER
Ihr wollt es also nicht?
[MUSIKANTEN] ERSTER MUSIKANTNein.
PETER
Nun, so will ich es euch schon [eintränken] gründlich geben.
ERSTER MUSIKANT
Was wollt Ihr uns [eintränken] geben?
PETER
[Keinen Wein] Kein Geld, wahrhaftig; sondern Spott, - ich werde es euch geben, indem ich euch als Spielmänner beschimpfe.ERSTER MUSIKANTDann werde ich Euch eine Dienstboten-Kreatur nennen.PETERDann wird Euer Schädel den Dolch dieser Dienstboten-Kreatur zu spüren bekommen. Ich dulde solche Töne nicht: [ich will euch eure Instrumente um den Kopf schlagen.] Ich will euch befa-sol-laen. Das notiert euch!ERSTER MUSIKANT
Wenn Ihr uns befa-sol-laet, so notiert Ihr uns.
ZWEITER MUSIKANTBitte steckt Euren Dolch ein und zieht Euren Witz hervor.PETER
Dann legt euch mit meinem Witz an! Ich werde euch mit eisernem Witz verbleuen und meinen eisernen Dolch einstecken. - [Hört, spannt mir einmal eure Schafsköpfe wie die Schafsdärme an euren Geigen.] Antwortet verständlich:

Wenn in der Leiden hartem Drang
Das bange Herze will erliegen,
Musik mit ihrem Silberklang -
Warum »Silberklang«? warum »Musik mit ihrem Silberklang«? Was sagt Ihr, Hans Kolophonium?
ERSTER MUSIKANT
Ei nun, Musje, weil Silber einen feinen Klang hat.
PETER
Recht artig! Was sagt Ihr, Michel Hackebrett?
ZWEITER MUSIKANT
Ich sage »Silberklang«, weil Musik nur für Silber klingt.
PETER
Auch recht artig! Was sagt Ihr, Jakob Gellohr?
DRITTER MUSIKANT
Mein Seel, ich weiß nicht, was ich sagen soll.
PETER
Oh, ich bitt Euch um Vergebung! Ihr seid der Sänger, Ihr singt nur; so will ich es denn für Euch sagen. Es heißt »Musik mit ihrem Silberklang«, weil solche Kerle wie Ihr kein Gold fürs Spielen kriegen!

Musik mit ihrem Silberklang
Weiß hülfreich ihnen obzusiegen.
Geht [singend ] ab.ERSTER MUSIKANT
Was für ein Pestkerl ist das?
ZWEITER MUSIKANT
Hol ihn der Henker! Kommt, wir wollen hier hineingehn, auf die Trauerleute warten und sehen, ob es nichts zu essen gibt.
Alle ab.
Peter streitet sich mit den Musikanten und es kommt fast zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung

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Fünfter Akt erste Szene

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Personen
  • Romeo
  • Balthasar
  • Aphotheker
Inhalt
Romeo ist in Matua und erfährt durch Balthasar vom Tode Julias. Er will nun  nicht mehr leben und irrt durch die Straßen auf der Suche nach jemanden der ihm Gift verkauft. Er geht zielgerichtet zu dem Aphotheker.. Dieser weigert sich zuerst ihm was zu verkaufen, aber da Romeo sieht wie arm der Apotheker ist, kann er ihn mit Hilfe von Geld bestechen.
Themen

  • Suizid

Interpretation
Romeo erhält die Nachricht, dass Julia nicht mehr am Leben ist. Dies zeigt, dass bei dem Plan von Bruder Lorenzo einige Dinge schief gegangen sind, denn eigentlich müsste Romeo ja wissen, dass es sich bei dem Tod nur um eine gestellte Szenerie handelt. Warum das so ist, das erfährt der Zuschauer erst in der nächsten Szene.

Wieder einmal sind Romeo und Julia mit ihrer Liebe Opfer des Schicksals geworden. Denn alles was sie sich mühevoll erdacht haben, Julia und Bruder Lorenzo, ist durch das Schicksal zu Nichte gemacht worden. 

Romeo ergibt sich nicht einfach seinem Schicksal, sondern er will selbst Herr über Leben und Tod sein. Dennoch ist seine Vorstellung vom Tod keine rein atheistische, sondern er ist sich sicher, dass sie im Jenseits wieder vereint sein werden. Er schreit in den Himmel und gibt laut und deutlich zu verstehen, dass er mit seinem Schicksal nicht einverstanden ist. Diese Form der Weltsicht und diese Art sein Leben zu betrachten ist untypisch für die damalige Zeit, in der man sich sicher war, dass alles was passiert den Willen Gottes abbildet und darum auch keinen Widerspruch duldet.

Kommentierter Originaltext





FÜNFTER AKT

ERSTE SZENE
Mantua. Eine Straße
Romeo tritt auf.
ROMEO
Darf ich dem Schmeichelblick des Schlafes traun,
So deuten meine Träum ein nahes Glück.
Leicht auf dem Thron sitzt meiner Brust Gebieter;
Mich hebt ein ungewohnter Geist mit frohen
Gedanken diesen ganzen Tag empor.
Mein Mädchen, träumt ich, kam und fand mich tot
- Seltsamer Traum, der Tote denken läßt! -
Und hauchte mir solch Leben ein mit Küssen,
Daß ich vom Tod erstand und Kaiser war.
Ach Herz! Wie süß ist Liebe selbst begabt,
Da schon so reich an Freud ihr Schatten ist!

Balthasar tritt auf.

Ha, Neues von Verona! Sag, wie stehts?
Bringst du vom Pater keine Briefe mit?
Was macht mein teures Weib? Wie lebt mein Vater?
Ist meine Julie wohl? Das frag ich wieder,
Denn nichts kann übel stehn, gehts ihr nur wohl.
BALTHASAR
Nun, ihr gehts wohl, und nichts kann übel stehn.
Ihr Körper schläft in Capulets Begräbnis,
Und ihr unsterblich Teil lebt bei den Engeln.
Ich sah sie senken in der Väter Gruft
Und ritt in Eil hieher, es Euch zu melden.
O Herr, verzeiht die schlimme Botschaft mir,
Weil Ihr dazu den Auftrag selbst mir gabt!
Romeo erkundigt sich danach wie es Julia geht und Balthasar teilt ihm mit, dass sie im Familiengrab der Capulets liegt. 
ROMEO
Ist es denn so? Ich biet euch Trotz, ihr Sterne! -
Du kennst mein Haus, hol mir Papier und Tinte
Und miete Pferde; ich will fort zu Nacht.
BALTHASAR
Verzeiht, ich darf Euch so nicht lassen, Herr!
Ihr seht so blaß und wild, und Eure Blicke
Weissagen Unglück.
ROMEO
                    Nicht doch, du betrügst dich.
Laß mich und tu, was ich dich heiße tun.
Hast du für mich vom Pater keine Briefe?
BALTHASAR
Nein, bester Herr.
ROMEO
                    Es tut nichts; mach dich auf
Und miete Pferd', ich komme gleich nach Haus.

Balthasar ab.

Romeo will losfahren und sich von der Tatsache überzeugen, aber Balthasar versucht das zu verhindern und will das nicht. 

Wohl, Julia, heute nacht ruh ich bei dir.
Ich muß auf Mittel sinnen. - O wie schnell
Drängt Unheil sich in der Verzweiflung Rat!
Mir fällt ein Apotheker ein; er wohnt

Hier irgendwo herum. - Ich sah ihn neulich,
Zerlumpt, die Augenbrauen überhangend;
Er suchte Kräuter aus; hohl war sein Blick,
Ihn hatte herbes Elend ausgemergelt.
Ein Schildpatt hing in seinem dürftgen Laden,
Ein ausgestopftes Krokodil und Häute
Von mißgestalten Fischen; auf dem Sims
Ein bettelhafter Prunk von leeren Büchsen
Und grüne Töpfe, Blasen, muffger Samen,
Bindfaden-Endchen, alte Rosenkuchen,
Das alles dünn verteilt, zur Schau zu dienen.
Betrachtend diesen Mangel, sagt ich mir:
Bedürfte jemand Gift hier, des Verkauf
In Mantua sogleich zum Tode führt,
Da lebt ein armer Schelm, ders ihm verkaufte.
Oh, der Gedanke zielt' auf mein Bedürfnis,
Und dieser dürftge Mann muß mirs verkaufen.
Soviel ich mich entsinn, ist dies das Haus.
Weils Festtag ist, schloß seinen Kram der Bettler.
Hei Holla! Apotheker!
Der Apotheker kommt heraus.

Romeo will zu seiner Julia und sucht darum nach jemanden, der ihm in Mantua Gift verkauft. Er will eines, das sofort zum Tod führt. 
APOTHEKER
                       Wer ruft so laut?
ROMEO
Mann, komm hieher! - Ich sehe, du bist arm.
Nimm, hier sind vierzig Stück Dukaten: gib
Mir eine Dose Gift, solch scharfen Stoff,
Der schnell durch alle Adern sich verteilt,
Daß tot der lebensmüde Trinker hinfällt,
Und daß die Brust den Atem von sich stößt,
So ungestüm, wie schnell entzündet Pulver
Aus der Kanone furchtbarm Schlunde blitzt.
APOTHEKER
So tödliche Arzneien hab ich wohl;
Doch Mantuas Gesetz ist Tod für jeden,
Der feil sie gibt.
ROMEO
                    Bist du so nackt und bloß,
Von Plagen so bedrückt, und scheust den Tod?
Der Hunger sitzt in deinen hohlen Backen,
Not und Bedrängnis darbt in deinem Blick,
Auf deinem Rücken hängt zerlumptes Elend,
Die Welt ist nicht dein Freund, noch ihr Gesetz;
Die Welt hat kein Gesetz, dich reich zu machen;
Drum sei nicht arm, brich das Gesetz und nimm!
APOTHEKER
Nur meine Armut, nicht mein Wille weicht.
ROMEO
Nicht deinem Willen, deiner Armut zahl ich.
APOTHEKER
Tut dies in welche Flüssigkeit Ihr wollt
Und trinkt es aus; und hättet Ihr die Stärke
Von Zwanzigen, es hülf Euch gleich davon.
ROMEO
Da ist dein Gold, ein schlimmres Gift den Seelen
Der Menschen, das in dieser eklen Welt
Mehr Mord verübt als diese armen Tränkchen,
Die zu verkaufen dir verboten ist.
Ich gebe Gift dir; du verkaufst mir keins.
Leb wohl, kauf Speis und füttre dich heraus! -
Komm, Stärkungstrank, nicht Gift! Begleite mich
Zu Juliens Grab, denn dort bedarf ich dich.
Ab.

Romeo kauft einen Trunk, obwohl dies in Matua unter Todesstrafe verboten ist. Der Apotheker hat sich zuerst gesträubt, aber da er so arm ist blieb ihm keine andere Wahl, als Romeo den Trunk zu verkaufen.

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